Translating the Game: Pokémon

am 23.11.2011 um 20:02 von Shuriken
consolero

Es gibt wohl kaum jemanden, der nicht mit dieser Serie aufgewachsen ist. Angefangen beim Gameboy, ist sie später auf dem Nintendo DS gelandet und wird mit Sicherheit auch bald ihren Weg auf den 3DS finden - und auch in der fünften Farbgeneration erfreut sie sich weiterhin großer Beliebtheit. Die Rede ist natürlich von Pokémon.

Und damit begrüße ich euch zu einer Spezialausgabe von „Translating the Game“. Diese Kolumne hat es hier auf Consolero schon seit Ewigkeiten nicht mehr gegeben. Für euch als greise und altersschwache Leser oder junge Neuankömmlinge auf dieser Seite sei das Konzept an dieser Stelle also noch einmal kurz erklärt: Hier wird ein besonders interessanter Artikel aus der englischen Fachpresse übersetzt, der sich vor allem einem Spiel widmet. Thema heute ist, wie ihr aus der Einleitung bereits entnehmen könnt, Pokémon. Oder genauer gesagt: Sieben Gründe, warum Pokémon nichts für Kinder ist.

7. Bei Tragossos Mutter gehen gruselige Dinge vor sich
Die meisten Spieler sind sich der gruseligen Hintergrundgeschichte von Tragosso bewusst. Sein Dasein als Säugling einer toten Mutter fristend, wird ein Tragosso auf ewig den Schädel seiner verstorbenen Mutter als Schutzhelm tragen. Diese Pokémon leben zurückgezogen, sind traurig und werden für immer den Tod ihrer Mutter beklagen. Für ein scheinbar auf Kinder ausgerichtetes Spiel ist das ein ziemlich düsteres Kapitel. Doch während dies noch ein ziemlich vertrautes Beispiel für die Furcht erregenden Geschehnisse in Pokémon ist, gibt es noch einen weiteren Aspekt, der an dieser Stelle oft übersehen wird: Wie entfernt Tragosso den Schädel von der Leiche seiner Mutter?

Nun, ich verstehe, dass Pokémonkämpfe böse enden können, manche von ihnen sogar fatal, aber es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass der Tod jedes Pokémons mit einer Enthauptung vollzogen wird. Was wenn Tragossos Mutter durch, sagen wir, Verbrennungen oder Elektroschocks gestorben ist? Tragosso selbst müsste seine eigene Mutter enthaupten, ausweiden und häuten. Ohne irgendwelche scharfen Zähne oder Klauen muss das eine entsetzliche Sauerei sein. Wenn ihr also das nächste Mal einem süßen kleinen Tragosso begegnet, bedenkt zu was es im Stande ist.

6. Golbat wird sich am Blut eurer Kinder laben
Wenn euch die Vorstellung einer riesigen, fünf Fuß großen und Blut saugenden Fledermaus noch nicht genug ängstigt, dann werft mal schnell einem Blick auf Golbats Pokédex-Eintrag. Erst in Heart Gold wird erwähnt, wie hilflos andere Kreaturen der Blutlust eines Golbats ausgeliefert sind: „Egal wie gut das Versteck seiner Opfer auch sein mag, es sticht sie mit seinen scharfen Zähnen und saugt sich mit Blut voll.“ Nun, das kann doch nichts Gutes verheißen, oder? Noch schlimmer wird es allerdings, wenn ihr mal den Pokédex-Eintrag der blattgrünen Edition lest: „Nachdem es einmal zugebissen hat, wird es nicht aufhören, seinem Gegner Energie zu entziehen, selbst wenn es am Ende zu schwer wird, um noch fliegen zu können.“

Die Quintessenz des Ganzen: Golbat wird eure Haut durchstechen und so viel Blut trinken, dass es am Ende nicht einmal mehr fliegen kann. Erinnert ihr euch, wie ich gesagt habe, Golbat wäre ungefähr fünf Fuß groß? Dann überlegt mal, wie viel es trinken müsste, bis es entsprechend überladen ist. Mit seinem Gewicht von beinahe 125 Pfund, könnte sich Golbat locker ein paar kleine Kinder vornehmen, die ja die Straßen in der Welt der Pokémon in großer Fülle zu säumen scheinen.

Um noch einmal klar herauszustellen, wie schockierend das ist, werde ich nun ein paar Rechnungen vornehmen, wie man sie sonst nur von den Mythbusters kennt. Normalerweise kann ein Erwachsener einen Blutverlust von circa 40 Prozent überleben – großzügig gerechnet. Aber wenn ihr draußen in der Wildnis unterwegs wärt wie ein Pokémon-Trainer, wären sogar unter 40 Prozent fatal. Demnach ein durchschnittlicher Erwachsener 6 Quarts (entspricht 6 * 1,17 = 7,02 Liter, Anm. J.G.) Blut hat, müsste er zweieinhalb Quarts verlieren, um zu sterben. Das bedeutet, Golbat müsste nur das Äquivalent in Blut zu zweieinhalb großen Cola-Flaschen trinken, um euch zu töten. Bei einem Kind wäre es wahrscheinlich nur halb so viel. Da beginnt man sich doch langsam zu fragen, wie kinderfreundlich die Welt der Pokémon ist.

5. Hypno, warum möchtest du dich nicht setzen?
Kinder dürfen in der Welt der Pokémon überraschend große Freiheiten haben, wenn man bedenkt, dass es dort Räuber wie Hypno gibt, die nur darauf warten, ahnungslose Minderjährige von der Straße wegzulocken und in ihren Bann zu ziehen. Das hört sich fies und vor allem unheimlich an, ja, aber wenn ihr euch über Hypnos Hintergrundgeschichte informiert, steigert sich das von pervers bis schrecklich.

Hypno benutzt sein charakteristisches Pendel, um seine Opfer zu hypnotisieren bis sie bewusstlos sind und lockt sie hinfort ins Ungewisse. Hypno legt sich gerne bei Schulen und an abgelegenen Straßen auf die Lauer und wartet darauf, erneut ahnungslose Kinder zu hypnotisieren und verschwinden zu lassen – danach werden sie nie wieder gesehen. Hier sind nun mehrere furchtbare Schlussfolgerungen möglich: Gibt es irgendwo da draußen eine Art Höhle mit hunderten gestohlener Kinder? Was genau macht Hypno dort mit diesen Kindern? Will ich das überhaupt wissen? Wahrscheinlich nicht.

4. Maschock lebt in ewiger Qual
Das äußerlich unheimlich humanoid aufgebaute Maschock ist ein weiteres gruseliges Exemplar aus den Reihen der ersten 151 Pokémon. Ich wette, ihr habt die langen roten Linien auf Maschocks Bizeps und Unterarm niemals länger beachtet, aber wisst ihr worum es sich dabei handelt? Maschock platzt förmlich vor lauter Muskeln, und die Vermutung liegt sehr nahe, dass es sich bei den roten Linien um seine Muskeln handelt, die so gewaltig sind, dass die Haut darunter schon gerissen ist. Denkt mal darüber nach. Und warum lächelt Maschock dann noch? Vielleicht lächelt es ja gar nicht, sondern macht mit seiner Grimasse nur gute Miene zum bösen Spiel.

Außerdem wird Maschocks spezielle Kleidung im Pokédex noch weiter beleuchtet. Dort heißt es, dass „Maschocks ungezügelte Kraft so stark ist, dass es einen Gürtel tragen muss, der seine Energie im Zaun hält“. Das wirft wiederum eine andere Furcht einflößende Frage auf: Was passiert denn mit wilden Maschocks? Der Gürtel, den diese Pokémon tragen, scheint künstlich, als wäre er von Menschenhand angebracht worden. Was also passiert mit in der Wildnis geborenen Maschocks? Wenn sie den Gürtel nicht haben, dann würden sie womöglich binnen kürzester Zeit zu einer riesigen Masse an Fleisch und geschwollenen Muskeln heran wachsen.

3. Was genau passiert in einem Pokéball
Es gibt eine bereits seit längerem anhaltende Debatte unter den Fans, die in zwei Lager gespalten und sich darüber uneins sind, was genau mit Pokémon passiert, die in einem Pokéball untergebracht sind. Zwar gibt es keine offizielle Erklärung, was wirklich in einem Pokéball vor sich geht, aber die beiden populärsten Theorien sind mit schrecklichen Assoziationen verknüpft.

Die eine Theorie besagt, dass die Pokémon bei vollem Bewusstsein hinsichtlich Raum und Zeit sind, wenn sie sich im Pokéball befinden. Diese Argumentation stützt sich darauf, dass Pokémon auf Kommandos von außerhalb reagieren, während sie sich im Pokéball befinden, zum Beispiel wenn der Trainer den Ball im Kampf auf den Boden wirft. Viele beunruhigt jedoch diese Vorstellung, denn sie impliziert, dass Pokémon für alle Ewigkeit in einem Ball gefangen gehalten werden können, ohne jede Chance auf Freiheit, aber sich der Außenwelt durchaus bewusst. Stellt euch nur mal vor, wie viele Pokémon ihr habt, die niemals wieder das Tageslicht erblicken werden.

Und weil diese Theorie so zermürbend ist, haben sich viele auf den Gedanken eingelassen, dass Pokémon womöglich bewusstlos oder komatös sind, während sie sich im Pokéball befinden. Das scheint wenigstens ein bisschen menschlicher, bis ihr mal für einen Moment darüber nachdenkt. Normalerweise verbringen Pokémon nur sehr wenig Zeit außerhalb des Pokéballs, außer wenn sie sich gerade im Kampf befinden. Ja, ihr werdet gelegentlich ein aus der Menge hervorstechendes Exemplar sehen, das die meiste Zeit mit seinem Trainer herum hängt, aber die meisten leben nun mal in ihrem Pokéball. Das scheint alles noch irgendwie verkraftbar, bis ihr einmal realisiert, dass das Leben vieler Pokémon nur aus einer endlosen Reiher aufeinanderfolgender Kämpfe besteht. Pokémon kennen keine Ruhe, keinen Frieden, kein Glücklichsein. Nur einen Kampf nach dem anderen.

2. Dank Makabaja werdet ihr nie mehr Pokémon spielen wollen
Makabaja ist ein Pokémon, das mich bis heute in Gedanken verfolgt. Erstmals aufgetaucht in Pokémon Black & White, ist Makabaja ein Geisterpokémon, das in den Ruinen des alten Palastes lebt. Geisterpokémon hatten zwar schon immer etwas Unheimliches an sich, aber Makabaja treibt es auf die Spitze. Im Pokédex der weißen Edition heißt es: „Diese Pokémon erwachsen aus den Seelen von Menschen, die in den Gräbern vergangener Zeitalter beigesetzt wurden.“

Was? Wirklich, das steht da. Und natürlich – wie hätte es auch sonst sein sollen – wird es im Pokédex der schwarzen Edition noch schlimmer: „Jedes von ihnen trägt eine Maske, die das Gesicht des einstigen Menschen zeigt. Manchmal sehen sie diese an und weinen.“ Das war's, game over. Diese Pokémon sind vollkommen empfindungsfähige, rational denkende Wesen. Wenn ihr jemals eines im Spiel eingesetzt habt, denkt mal an die möglichen Folgerungen. Ihr habt es gewaltsam gefangen genommen, auf engem Raum, und es in den Kampf mit anderen bösartigen Kreaturen geschickt. Im Gegensatz zu anderen, scheinbar wilden Pokémon, ist sich Makabaja anscheinend dessen bewusst, was es durchmacht. Es ist verängstigt und allein, und wahrscheinlich möchte es nur zurück zu seiner Familie. Als mir das klar wurde, habe ich mich entschieden, Makabaja aus meinem Team zu entfernen und es auf meinem PC gelagert, was an sich genau so schlimm ist. Makabaja wird also die Ewigkeit in einem Pokéball verbringen. Auf einem Computer. Und ist sich dessen völlig im Klaren.

1. Und so wird die Welt untergehen
Die meisten Spieler haben eine ungefähre Ahnung was den Ursprung der Pokémon angeht. Es wird im Vorbeigehen erwähnt, dass laut gewissen Hinweisen die Pokémon aus dem Weltall gekommen sind. Richtig oder nicht, das ist nur die Spitze des Eisbergs und offenbart ein viel, viel dunkleres Kapitel in der Geschichte der Pokémon.

Angefangen mit dem Pokérus. Das ist ein seltenes Virus, welches sich von Pokémon zu Pokémon verbreitet, sie stärker macht und ihr Wachstum beschleunigt. Das hört sich im ersten Augenblick so an, als wäre es von Fans erfunden worden, aber das gab es wirklich. Es war eine die Statistik verändernde Sache in der zweiten Farbgeneration. Die meisten haben nur nie davon gehört, weil die Wahrscheinlichkeit einer Infektion so unfassbar gering ist. Laut Bulbapedia lag das Infektionsrisiko bei 3 von 65.536 Pokémon.

Im Spiel konnte das Virus von einem infizierten Pokémon auf die gesunden Wesen in eurem Team übertragen werden und, das ist nun alles ein wenig fiktiver, auch auf Menschen. (Lasst uns lieber nicht darüber nachdenken, wie das passieren könnte). Das Virus verursacht extremes Wachstum und Mutationen – und ist überliefert als der Ursprung der Pokémon. Angeblich soll der Pokérus aus dem Weltall gekommen sein und Tiere wie Vögel und Fische in das verwandelt haben, was wir als Pokémon kennen. Das erklärt auch, warum die Mehrheit aller Pokémon richtigen Tieren so ähnelt.

Nachdem wir nun also wissen, was der Pokérus den Tieren antun könnte, stellt sich die Frage, was wohl mit den Menschen passieren würde. Früher oder später würden alle Menschen an der Krankheit leiden und in ähnlicherweise wie die Pokémon zu Freaks mutieren. Manche Fans behaupten, dass dies in der Welt der Pokémon bereits in der Kindheit eintritt, weshalb die lieben Kleinen dort auch so stark sind, dass sie ihr Elternhaus bereits in jungen Jahren verlassen können. Früher oder später würde also die Zivilisation kollabieren und die Erde würde von mutierten Mensch-Pokémon-Hybriden bevölkert.

Und ihr dachtet, Pokémon wäre für Kinder? (JG)

Originalartikel: Derek James, „7 Reasons why Pokémon is Secretely Nightmare Fuel”, geek.pikimal.com (Link)
 

Kommentare

Bild des Benutzers Puka

am 23.11.2011 um 22:41 von Puka

So viel ich weiss ist der Pokérus ist seit der zweiten Generation aktiv und auch in den Neueren zu finden. Zudem ist dieser Virus kurzlebig, d.h. nach wenigen Tagen ist der Spuk vorbei. Er kann zwar auf dem PC "eingefroren" werden, was btw eine neue Schlussfolgerung auf das Innenleben von Pokébällen zulässt, aber das nur nebenbei. Weitergegeben wird der Pokérus übrigens via Kampf (also wahrscheinlich Körperkontakt).
Der Punkt den ich damit ansprechen will ist, wie soll ein Virus, der nur wenige Tage aktiv ist, sich in der Wildnis kaum verbreitet (3 von 65'536) und die Viecher nicht killt alles ausrotten?

Ansonsten: Netter Text, der gleichzeitig aufzeigt wie Spiele früher einmal waren. Heute ist sowas undenkbar.

Bild des Benutzers doctor_hut

am 23.11.2011 um 23:43 von doctor_hut

Ich hätte zumindest zu den Pokébällen eine andere Theorie: Gehen wir mal davon aus, dass die Pokémon alles mitbekommen und daher ein ziemlich tristes Leben führen würden. Jedoch müsste dieses Leben nicht besonders trist sein, wenn der Pokéball ähnlich dem Prinzip der Wunderlampe eines Dschinn's z. B. aus der alten Fernsehserie "Bezaubernde Jeannie" nachempfunden wäre. Somit würde sich innerhalb des Pokéballs eine speziell für das Pokémon beschaffene Umgebung befinden in der es sich gut leben lässt. Kleinigkeiten wie: "Aber wenn ein Pokéball offen ist, dann sieht man davon gar nichts." und ähnliche Ungereimtheiten kann ich nicht erklären...Ich wollte einfach mal die wirrste Theorie, die mir direkt nach dem lesen eingefallen ist, unter die Leute bringen.

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