Meinung: Ultimate Marvel vs. Capcom 3

am 23.11.2011 um 21:50 von Chargi
Multi

Moderne Fighting Games boomen wie noch nie zuvor. Jeder kennt sie, jeder hat sie schon mal gespielt, doch nur wenige haben sich darauf spezialisiert. Ich bin einer von ihnen und möchte euch etwas über Fighting Games/Prügelspiele/Beat’em Ups im Allgemeinen erzählen, die Philosophie die hinter Marvel vs. Capcom 3 steckt erläutern und Tipps zum Besserwerden mitgeben.

Darf ich mich kurz vorstellen?
Ich stolperte in das Genre Anno 2008. Diese gewisse Lust auf Mehr hat mir Super Street Fighter II Turbo HD Remix beschert. Es hat mich auf das Release von Street Fighter IV vorbereitet - das Spiel welches rückblickend das Genre wiederbelebt hat. Dank eines guten Onlinemodus und Release auf NextGen Konsolen, wurde es dankbar von der Masse angenommen und bildet heutzutage immer noch den Mainstream des Genres.

Seitdem ist einiges Wasser die Donau heruntergeflossen und so habe ich mich in der Zeit noch eine Hand voll anderer Fighting Games zugewandt. Um eines davon geht es in diesem Artikel. Gerade erst durfte ich mich über das Erscheinen des neuesten Ablegers der Marvel Vs. Capcom Reihe – Ultimate Marvel vs. Capcom 3 – freuen. Ich möchte die Neuerungen kurz zusammenfassen. 12 neue Charaktere, 9 neue/remodellierte Stages, verbesserter Onlinemodus, Galactus spielbar, Heroes and Heralds Mode bald als Gratis DLC und das Markanteste dieser Neuauflage: Rebalancing.
 
Wieso kein DLC?
Bevor wir uns dem eigentlichen Spiel widmen, gilt es noch die Existenzberechtigung für dieses Spiel zu klären. Die paar Charaktere und Modi hätte man doch auch als DLC nachreichen können. Doch Katastrophen ziehen sich merklich durch alle Schichten, auch die der Spieleentwickler. Die schwerwiegenden Störfälle im Kernkraftwerk Fukushima haben Capcom davon abgehalten, jeglichen DLC für das Original zu releasen. Da sich danach noch einiges aufgestaut hat, hat sich Capcom wohl dazu entschieden, das Spiel nochmals zu releasen – mit einem Budgetpreis versehen und neun Monate nach dem „ersten Teil“.
 
Meiner Meinung nach sind die Kunden die Gewinner. Wir bekommen alles auf eine Disc gepresst, mit neuer Aufmachung und viel Content. Bei Turnieren ist es einfacher, jede Station mit einer Disc auszustatten, als dafür Sorge zu tragen, dass jede Konsole den gesamten DLC besitzt. Das Gesamtpaket als „Update via DLC“ für MvC3, wie es bei der „Arcade Edition“ von Street Fighter 4 bereits der Fall war, hätte ich aber ebenso begrüßt.
 
Aus drei Superhelden soll dein Team bestehen.
Oder Bösewichten. Pardon! - Die zwei Spieler, die gegeneinander antreten, wählen aus einem Roster von 50 Marvel und Capcomcharakteren ein Team jeweils von drei Kämpfern aus. Jeder dieser Kämpfer darf auch einen von drei Assist-Moves sein Eigen nennen, die man während des Kampfes kurz zur Unterstützung herbeirufen darf.
 
   
 
Die neuen sowie die grob veränderten alten Charaktere sind einfach Klasse und die Designs aller Neuen fügen sich sehr gut in das Spielkonzept ein. Bereits bestehende Charaktere, die eher langweilig oder underpowered waren, wurden klug angepasst - ein Beispiel: Captain America hat nun eine unverwundbare Rolle wie sie aus Capcom vs. SNK 2 bekannt sein dürfte.
 
“Pimp up your Baukasten!” oder auch “Wie bastle ich ein Team?”
Wir brauchen erst mal einen so genannten Point Character. Mit dem fängt man die Runde an. Im Idealfall gewinnt man die meisten Spiele mit ihm oder legt zumindest die Weichen dafür. Praktisch wäre es auch, wenn seine Combos viel Hyper Meter aufbauen, welches man für Hyper Moves im Spiel benötigt. Meine persönliche Präferenz sind schnelle, agile Charaktere – namentlich wären da Chun-Li oder Wolverine eine klassische Wahl.

Der zweite Charakter im Team kann mehrere Rollen einnehmen. Entweder er hat einen guten Assist für den Point Character oder ist der klassische „User“ – der Charakter, der mit Hyper Meter umgehen kann. Eine Mischung aus beidem wäre perfekt. In diesen Slot passt so gut, wie der gesamte Cast. Nun zum dritten Charakter. Der „Anchor“ sollte den Sieg sicher ins Ziel tragen können, aber auch alleine ohne Assists das gesamte gegnerische Team auslöschen können. Der bekannteste Anchor vom Vorgänger war wohl Phoenix, die mit fünf gesammelten Hyper-Leisten zu Dark Phoenix transmutiert ist und Schrecken über das Gegnerteam brachte.
 
Aber wie schon erwähnt: Es ist ein Baukasten. Bastelt euch das Team, wie es euch gefällt und was für euch funktioniert – denn das ist das Schöne an diesem Spiel.
 
Wir werkeln etwas daran… basteln dort was...
Capcom hat, wie schon in Marvel vs. Capcom 2, eine Buttonmash-Komponente zu gewissen Hyperattacken hinzugefügt. Durch wiederholtes Tastendrücken macht man mit manchen Hypers mehr Schaden bzw. landet mehr Treffer. Den Sinn darin erkenn ich leider nicht ganz, aber schön und gut – drückt man eben paar Knöpfe am Ende der Combo. Leider sind entsprechende Hypers nicht in der Command List gekennzeichnet, sondern muss man extra recherchieren bzw. via Trial & Error eruieren.
 
Automatisches Nachspringen nach dem Launcher (bei etwas länger gedrückter Launcher Taste) hat das Spiel auch nicht gebraucht. Es ist nicht praktikabel, da Charaktere wie Sentinel verzögert nachspringen müssen. Dass die Option standardmäßig aktiv ist, könnte Neulingen eine blöde Angewohnheit mitbringen. Also mein Rat: Unbedingt deaktivieren!

    
 
Geändert haben sie den horizontalen Aerial Exchange – bei dem man während der Combo zum nächsten Teammitglied wechseln kann. Im Vorgänger brachte er eine halbe Hyper Bar, nun zieht er dem Gegner eine Ganze ab. Gekontert kann er immer noch werden. Zusätzlich zu der Änderung, dass man nun generell viel weniger Hyper Meter aufbaut, eine interessante Neuerung.
 
Das neue Metagame
Das Metagame. Die ungeschriebenen Regeln. Das Ding, das über dem Spiel steht. Wie geht man an ein Match heran? Wie möchte man sein Team bauen? Gegen was muss man gewappnet sein? Bisher musste jedes Team gegen Phoenix gewappnet sein, um gewinnen zu können (oder alternativ Phoenix IM Team haben). Zumindest der Anchor sollte auch mal mit einer Dark Phoenix zurechtkommen können.
 
Zusätzlich wurde das Spiel durch Assists geprägt. Offensive Lockdowns wie Akumas Tatsu, Sentinel Dronen oder defensiv sehr starke wie Trons Gustaff Fire und Haggars Lariat haben über den Spielverlauf teilweise schon mehr verraten, als die Charaktere selbst. In Ultimate wurden die Assists neu ausbalanciert – Gouki Tatsu produziert keinen Soft Knockdown mehr, Sentinel Dronen haben keine Lücken mehr und können nicht von selbst comboen (wobei ich sie bei meinen Tests kaum als schwächer empfunden habe), Trons Gustaff Fire und Haggars Lariat haben ihre Unverwundbarkeit verloren.
 
Nun werden die Würfel neu geworfen und die kommenden Monate werden zeigen, in welche Richtung sich das Spiel bewegen wird. Denn die Top-Player machen gewisse Teams und Charaktere meist durch ihren Erfolg populär und inspirieren dadurch andere Spieler.
 
Mit deinen Freunden sollst du spielen
Das Spiel bietet, wie andere Kampfspiele, kaum Langzeitmotivation für den Sologamer, doch im Versus glänzt es durchaus. Netplay wurde verbessert und optimiert, ist aber leider immer noch “nur” Online. Wer dutzende Stunden Offlineerfahrung hat, wird mir mit Sicherheit beipflichten. Denn das Problem hat nicht nur Marvel - sondern jedes Kampfspiel. Selbst in BlazBlue, welches den meiner Meinung nach besten Netcode hat, ist es spürbar. Immerhin bietet UMvC3 im Trainingsmodus eine Option um Lag zu emulieren.
 
Mein Rat daher: Sucht euch eine Offline Community oder gründet eine. Auf HardEdge findet ihr viele Gleichgesinnte im deutschsprachigen Raum, regelmäßige Events oder spontane Sessions. In Wien gibt es das Virtual Dojo Vienna - eine dedizierte Location für Fighting Games, gemütliches Zusammensitzen und Spieler auf unterschiedlichstem Niveau. Ebenfalls Austragungsort für monatliche Turniere und ein Ort, wo ihr mich eventuell mal antreffen könnt.
 
Fazit
Capcom ist mit Ultimate Marvel vs. Capcom 3 das Spiel gelungen, was sich viele schon für Vanilla gewünscht haben. Da das Spiel bereits für Budgetpreis zu haben ist, lege ich diesen Titel jedem Fighting Game Interessierten ans Herz. In kaum einem Kampfspiel hat man mehr Möglichkeiten sein Spiel zu gestalten wie in diesem hier. Ich selbst werde sicherlich noch viele Monate, wenn nicht Jahre, Spaß mit dem Titel haben.
 
Abschließend möchte ich euch noch ein Video der Top 3 des SuperDojo UMVC3 Tournaments vorstellen. Hier könnt ihr den Besten der Besten bei der Arbeit zusehen und einen bewegten Einblick in das Spiel bekommen - und zwar auf höchstem Niveau.



(Markus Richter aka. Chargi)

Kommentare

Bild des Benutzers Puka

am 23.11.2011 um 23:07 von Puka

Quote:
Moderne Fighting Games boomen wie noch nie zuvor. Jeder kennt sie, jeder hat sie schon mal gespielt, doch nur wenige haben sich darauf spezialisiert.
Nicht ganz. Fighting Games waren noch nie etwas für mich (ausser Smash Bros., aber das zähl ich nicht dazu - denke das ist auch richtig so).

Dadurch ist es für mich auch schwieriger dem Text zu folgen - es gab einige Wörter, bei denen ich aufgrund fehlenden Wissens einfach Annahmen treffen musste.
Dennoch ein sehr Interessanter Beitrag. Zudem ist es spannend von jemandem zu lesen, der sich tief in den Mechaniken des Spiels bewegt.

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