Meinung: Stillstand im Shootergenre?

am 24.10.2011 um 17:55 von Shuriken
consolero

Ich bin dem Shootergenre schon seit dem allerersten Counter-Strike verfallen. Battlefield 2 habe ich über Monate hinweg gespielt. Viele Xbox-Abende mit Freunden mündeten irgendwann ins gemeinsame Call of Duty-Spielen. Und ich will gar nicht wissen, wie viele Matches ich im Halo-Universum bereits ausgetragen habe. Doch nun, da Modern Warfare 3 und das neue Battlefield vor der Tür stehen, scheint meine Vorliebe für das Genre ein wenig zu verblassen. Ich freue mich nach wie vor noch ein wenig auf die beiden Titel, doch irgendwie ist meine Vorfreude getrübt. Lasst uns dem mal auf den Grund gehen.

Von Modern Warfare, Battlefield und Homefront
Zunächst sei einmal gesagt: Ich möchte hier nicht wieder nur auf Call of Duty herumbashen. Natürlich kann man Modern Warfare 3 einen Shooter von der Stange nennen, dessen Singleplayer wieder nur aus durchgescripteten Schlauchlevels besteht, doch mein Problem mit der Serie ist ein anderes: Alle Ableger der vergangenen Jahre ähnelten sich in meinen Augen einfach viel zu sehr. Der Sprung von Modern Warfare 2 zu Black Ops bestand doch hinsichtlich des Mehrspielers darin, dass sie ein paar Maps ausgetauscht haben, ein paar neue warfareSpielmodi und Waffen wie etwa die Armbrust integrierten und schlussendlich noch dem Singleplayer ein anderes Setting und eine andere Story verpassten.

Beispiel Battlefield: In Bad Company hatte die Serie erstmals eine richtige Kampagne bekommen, und ich mochte die Story, weil sie interessant war, nicht linear und sich zumindest stellenweise und in meinen Augen nicht immer sonderlich ernst genommen hat – spätestens, als der Krieg gegen die Russen in eine Suche nach Gold mündete. Mit Battlefield 3 möchte Electronic Arts sich nun mit dem Activision-Flaggschiff Modern Warfare 3 messen und hat das Spiel dementsprechend gestaltet: Nämlich als reinen Militärshooter, in dem eine Armee unter anderem im irakischen Teil Kurdistans unterwegs ist und als Hochglanzprodukt, in dem der Spieler in wenigen Stunden durch einen real wirkenden Krieg geschickt wird.

Es scheint also ein Trend zu sein, Shooter einem realistisch wirkenden Kriegsszenario auszusetzen, welches im Singleplayer in wenigen Stunden (siehe etwa Modern Warfare 2) von statten gegangen ist. Als Langzeitmotivation – wenn man das so nennen kann, in einer Zeit, in der die Branche darauf ausgerichtet ist, jedes Jahr einen neuen Ableger zu veröffentlichen – dient dann lediglich der Mehrspielerpart, der meistens nicht durch eine Modding-Szene, sondern durch ein Erfahrungssystem aufrecht erhalten wird. Genau so machte es auch Homefront aus dem Hause THQ. An sich eine nette Story: Die beiden Koreas haben sich verbrüdert und gemeinsam die USA besetzt, deren Bürger sich nun als Guerilla organisieren und die Invasoren aus ihrem Land verdrängen wollen. Doch auch hier war die Story in wenigen Stunden vom Tisch und es gab nur noch den Mehrspielermodus.

Doch das ist nicht die Regel
Versteht mich um Himmels Willen nicht falsch: Ich behaupte nicht, dass alle Shooter in diese Richtung abdriften und ich behaupte noch nicht einmal, dass das etwas Schlechtes sein muss. Portal 2 und Deus Ex: Human Revolution sind zwei hervorragende Titel aus diesem Jahr, die in eine völlig andere Richtung gehen und damit Erfolg haben. Und das sehe ich als gutes Zeichen, denn wenn solche Spiele erfolgreich sind, dann folgen doch in der Regel auch Nachfolger oder Prequels, oder etwa nicht?

Ein etwas engeres Beispiel ist Duke Nukem Forever. Rein technisch konnte das Spiel einfach nicht überzeugen, vor allem die Bewegungsanimationen wirkten noch wie vor 14 Jahren. Was mir hier gefallen hat, ist der Humor des Spiels und die Liebe zum Detail, mit der die Entwickler zu Werke geschritteduken sind. Das Szenario beginnt schließlich damit, dass der Duke an seiner Xbox 360 das Ende von Duke Nukem 3D nachspielt. Nachdem der Boss besiegt ist, sieht man statt der ABXY-Tasten auf seinem Controller nur die Buchstaben D,U,K,E – zwei junge Damen erheben sich und fragen, ob das Spiel gut war. Antwort des Duke: „Ja, aber das kann man nach scheiß 12 Jahren auch erwarten!“

Später kommt man zum Beispiel in einen Kraftraum, in dem man verschiedene Spielchen mit dem Mann mit den „Eiern aus Stahl“ unternehmen kann. Beispiel: Man kann einen herumliegenden Basketball nehmen und einen Korb werfen, wodurch der Duke mehr Lebensenergie, pardon, ein größeres Ego bekommt. Und auch wenn dieser Basketball dann die Ballphysik eines Ziegelsteins hat, so bieten diese kleinen Details ein ganz anderes Erlebnis als ein sequenzieller Militärshooter, in welchem man in wenigen Stunden einen (halb-)realen Krieg durchlebt.

Liebe Spieleentwickler,
alle Jahre wieder schafft ihr es, einen riesigen Hype um eure Militärshooter zu generieren. Mittlerweile arbeiten über 500 Leute in drei Studios (Treyarch, Sledgehammer Games und Infinity Ward) nur an Call of Duty. Ich denke, vielleicht sollte man diese enormen Ressourcen mehr darauf verwenden, das Genre auch weiter zu entwickeln. Sicher, noch seid ihr wahnsinnig erfolgreich mit der Serie. Aber vielleicht kommt auch irgendwann mal jemand auf die Idee, in einem Jahr zwei CoDs zu veröffentlichen. Und dann wird der Markt noch schneller gesättigt. Und wohin es führen kann, wenn man zu viele generische Spiele in zu kurzer Zeit auf den Markt bringt, haben wir schließlich alle bei Guitar Hero gesehen. Also seid doch so gut, geht dieses Risiko nicht ein, und macht ein Spiel nicht einfach nur besser als das Letzte, sondern besser als alle Anderen!

Euer
Johannes „Shuriken“ Gottschalt

PS: Dies ist mein erster längerer Artikel, Feedback ist also durchaus erwünscht. Und natürlich ist das hier eine Meinungskolumne. Ihr dürft also gern anderer Meinung sein und diskutieren! (JG)

Kommentare

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am 24.10.2011 um 20:29 von Puka

Ich war noch nie gross im Shooter unterwegs. Das "Ducken, Schiessen, Ducken, Schiessen..."-Vorurteil wiegt schwer bei mir. Und der Vergleich mit dem Schlauchlevel setzt noch einen drauf =P

Ansonsten find ich es gut geschrieben und auch für nicht-shooterler gut verständlich.

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